Aktive vs. passive Aktienfonds

 

In den letzten zwei Artikeln habe ich mich damit beschäftigt, ob Privatanleger durch Market Timing und Stock Picking den Markt schlagen können.

Die Antwort war: Die meisten Privatanleger schaffen es nicht und underperformen damit den Gesamtmarkt oder verlieren sogar Geld.

Aber hey, Privatanleger schaffen das vielleicht nicht, aber wie sieht es mit professionellen Fondsmanagern aus? Die machen ja schließlich den ganzen Tag nichts anderes als den Markt zu analysieren. Man sollte also meinen, dass sie es schaffen die guten Aktien eines Marktes auszusuchen oder zumindest die schlechten Aktien zu meiden.

Sollte man als Privatanleger vielleicht sein Geld in aktive Fonds stecken und so auf deren Manager setzen? Aktive Fonds werden schließlich auch von Bankberatern empfohlen.

 

Outperformance mit aktiven Fonds? – leider nein!

Um euch und mir diese Frage zu beantworten, habe ich mich durch die SPIVA Europe Scorecard von 2016 gearbeitet. SPIVA bedeutet “Standard and Poors Indices versus Active Funds”. In dieser Scorecard wird die Performance von aktiv gemanageten Fonds mit ihren Benchmark-Indizes von S&P verglichen. Bei aktiven Fonds auf deutsche Aktien ist die Benchmark der S&P Germany mit den 45 größten Unternehmen Deutschlands. Bei U.S.-Fonds ist es der S&P 500. Die Scorecard berechnet alle Werte “net of fees”, also nach Abzug der Gebühren.

Die Zahlen sind deutlich.

Über 60% der deutschen Fonds schnitten schlechter ab als ihr Vergleichsindex.

Auf Sicht von 5 Jahren underperformen 77% der Fondsmanager den Index.

Auf Sicht von 10 Jahren sogar 81%. Dazu kommt noch, dass nach 10 Jahren fast die Hälfte der aktiven Fonds vom Markt verschwunden sind, also mit anderen Fonds verschmolzen wurden oder Pleite gegangen sind. In der Scorecard wird dieser “Survivorship-Bias” aber bereinigt. Es werden also alle Fonds weiterberechnet, die am Anfang des 10 jährigen Beobachtungszeitraums existierten. Egal ob es sie am Ende des Zeitraums noch gab oder nicht.

 

In den USA sieht es noch schlechter aus

Fonds auf US-Aktien schneiden sogar noch schlechter ab. Hier underperformen tatsächlich 99% der Fonds den Index. Ähnliches gilt für globale Fonds (98%), US-Aktien nehmen hier aber auch den größten Teil ein (oft 50-60%).

Auch die Überlebensquote der US-Fonds ist deutlich schlechter. Hier sind nach zehn Jahren nur noch 37% der Fonds aktiv. Bei globalen Fonds sind es auch nur noch 43%.

 

Wie sieht es in exotischen Märkten aus?

Die Theorie besagt, dass Fondsmanager in ineffizienten Märkten ihre volle Kompetenz entfalten können. Es heißt: Hier können sie besonders von ihrem Expertenwissen profitieren,  Fehlbewertungen ausnutzen und durch intelligentes Timing und Stock Picking Alpha (Renditen oberhalb der Benchmark) erwirtschaften. Emerging Markets werden oft als solche ineffizienten Märkte bezeichnet.

Die Wahrheit sieht aber anders aus. Auch hier underperformen 97% der Fonds ihre Benchmark innerhalb der zehn Jahre. Außerdem waren nur noch 57% der Emerging Market Fonds aktiv.

All diese Daten sprechen stark gegen die Investition in aktive Fonds.

In der Tabelle sind nochmal alle Daten der Untersuchung abgebildet.

 

EUROPÄISCHE FONDS DIE VON IHREN BENCHMARKS OUTPERFORMED WURDEN IN %

Ist das Risiko bei aktiven Fonds geringer?

Ok, aktive Fonds liefern geringere Renditen als ihre Benchmarks, aber wie sieht es mit dem Risiko aus? Befürworter von aktiven Fonds nennen hier immer wieder die Fähigkeit aktiver Fondsmanager das Risiko zu managen. Somit sollte man also meinen, dass aktive Fonds geringere Risiken beinhalten.

Als Risikomaß wird in der Finanzmathematik Volatilität verwendet. Volatiliät ist die Standardabweichung der Renditen des Instruments, in diesem Fall der Fonds. Oder einfach gesagt: Volatilität misst wie stark der Kurs des Fonds schwankt. Um als Anleger ruhig schlafen zu können bevorzugt man also Anlagen mit geringer Volatilität.

Auch dazu haben die SPIVA-Analysten eine Untersuchung durchgeführt. Mit dem Ergebnis:

  1. Aktive Fonds haben im Durchschnitt höhere Volatilität als ihre Benchmarks, es gibt aber auch Ausnahmen.
  2. Fonds mit hoher Volatilität in der Vergangenheit neigen dazu auch in der Zukunft hohe Volatilität zu haben und Fonds mit niedriger Volatilität in der Vergangenheit neigen dazu niedrige Volatilität in der Zukunft zu haben
  3. Fonds mit hoher Volatilität kaufen vermehrt Aktien mit hoher Volatilität
  4. Fonds mit niedriger Volatilität erreichen diese durch eine große Menge Cash, also nicht durch Aktien mit niedriger Volatilität

Auch aus Risiko-Gesichtspunkten macht ein Investment in aktive Fonds also wenig Sinn. Postiv ist in der Untersuchung aufgefallen: Man kann aus der historischen Volatiliät meistens auch auf die zukünftige Volatilität der Fonds schließen, sich also Fonds mit niedrigem Risiko aussuchen. Das lässt darauf schließen, dass Fondsmanager im Bezug auf Risikomanagement ihrer Strategie auch langfristig treu bleiben.

Bei Renditen sieht das anders aus.

 

Einmal guter Fondsmanager immer guter Fondsmanager?

Auf Werbematerialien für aktive Fonds werden immer wieder erfolgreiche Exemplare und ihre Manager vorgestellt. Aber was macht eigentlich einen guten Fondsmanager aus?

Ein guter Fondsmanager muss es schaffen langfristig besser zu sein als seine Benchmark. Die langfristige Outperformance ist der einzige Weg, um Glückstreffer von wirklichem Können zu unterscheiden.

Wie ich schon erläutert habe gibt es sehr wenige Fonds die den Markt schlagen. Aber es gibt welche. Wenn wir diese finden, könnten wir also mehr als die Durchschnittsrendite erreichen?!

Im Prinzip schon. Aber anders als bei der Volatilität kann man von einer hohen historischen Rendite nicht auf eine hohe zukünftige Rendite hoffen. Untersuchungen der SPIVA-Analysten zu aktiven US-Aktienfonds haben ergeben:

  1. Weniger als 3% der Fonds aus dem höchsten Quartil (besten 25% der Fonds) sind nach 2 Jahren immernoch im höchsten Quartil, nach 5 Jahren sind es weniger als 1%
  2. Die Wahrscheinlichkeit eines Fonds aus dem höchsten Quartil in das niedrigste Quartil zu rutschen ist deutlich höher als umgekehrt
  3. Die Wahrscheinlichkeit eines Fonds aus dem niedrigsten Quartil innerhalb des 5-jährigen Beobachtungszeitraums zu verschwinden (geschlossen oder mit einem anderen verschmolzen zu werden) liegt bei über 25%.

Es gibt also kaum Fondsmanager, die den Markt konsistent über mehrere Jahre hinweg outperformen. Das macht die Suche nach einem wirklich guten aktiven Fonds extrem schwer. Ein Fonds, der in einem Jahr auf dem Cover eines Finanzmagazins ist, wird also höchstwahrscheinlich nächstes Jahr nicht mehr unter den besten sein.

 

Warum schneiden Fondsmanager schlechter ab als der Gesamtmarkt – die Bürde der hohen Kosten

Einige Punkte, die ich in den letzten 2 Artikeln (Market Timing, Stock Picking) beschrieben habe treffen sicherlich auch auf manche Fondsmanager zu. Der wichtigste Grund sind aber die hohen Kosten.

Aktive Fonds verlangen zwischen 1-2% Gebühren pro Jahr. ETF’s gibt es schon ab ca. 0,1%. Diese Gebühren müssen erst einmal wieder erwirtschaftet werden, damit der Anleger überhaupt besser abschneiden kann als die Benchmark.

Der Kosten-Effekt wurde vom SPIVA-Team ebenfalls am amerikanischen Markt untersucht. Tatsächlich schneiden die Fonds vor Gebühren deutlich besser ab. Aber trotzdem sind in einem Beobachtungszeitraum der letzten 5 Jahre immernoch ca. 70% der Fonds schlechter als ihre Benchmark, nach Gebühren wären es ca. 90%-99%.

 

Macht ein Investment in aktive Fonds also garkeinen Sinn?

Die SPIVA Studie gibt es erst seit 2002. Somit ist die Datenlage zwar gut, aber auch hier können wir uns nicht zu 100% sicher sein, dass die Daten auch in Zukunft zu den genannten Ergebnissen führen.

Außerdem befinden wir uns seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007 in einem starken Bullenmarkt. Es gibt aber Untersuchungen, dass in den letzten 2 Bärenmärkten – dem Dot-Com-Crash 2000 und der Finanzkrise 2007 – aktive Fondsmanager etwas besser abgeschnitten haben als ihre Benchmarks. Einige haben es also geschafft die Verluste zu limitieren. In der Erholung nach den Crashs wurden sie aber schnell wieder abgehängt.

Ansonsten können sich aktive Fonds über niedrigere Gebühren wieder attraktiver machen. Dieser Trend zeichnet sich auch langsam ab. Kein Wunder, sonst haben sie keine Chance mit ETF’s zu konkurrieren. Auf dem aktuellen Niveau ist der Renditeverlust aber einfach zu groß.

 

Fazit

Die Ergebnisse der SPIVA Scorecard sind deutlich. Fast alle Benchmarks bieten dir eine höhere Rendite als aktive Fonds. Es ist sehr unwahrscheinlich einen der wenigen Fonds auszuwählen, die den Vergleichsmarkt outperformen, denn historische Performance lässt nicht auf zukünftige Performance schließen. Bei der Volatilität ist das anders. Hier ist es wahrscheinlich, dass ein historisch sehr volatiler Fonds auch in der Zukunft starke Kursschwankungen zeigt. Generell ist die Volatilität bei den Benchmarks aber geringer als bei aktiven Fonds. Aus Risikohinsicht macht es also auch wenig Sinn in aktive Fonds zu investieren.

Du wirst dir vielleicht denken können worauf ich hinaus will.

Mit meiner Lieblingsanlageform – den ETF’s – können wir also ganz einfach professionelle Fondsmanager schlagen. Hier investieren wir in diese Benchmarks und das zu geringen Kosten.

 

Wie siehst du  das Thema aktive vs. passive? Hast du schon postitive Erfahrungen mit aktiven Fonds gemacht? Oder investierst du lieber in ETF’s?

Über deine Kommentare, Fragen und Anregungen würde ich mich freuen!

 

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Willst du dich mehr in die Themen Investieren, private Geldanlage oder Persönlichkeitsentwicklung einlesen. Dann ist bei meinen Buchempfehlungen für dich bestimmt etwas dabei.

Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Artikel!

Entspannte Grüße

Dein Roland

 

4 Gedanken zu „Aktive vs. passive Aktienfonds

  • 13. März 2017 um 11:36
    Permalink

    Hi Roland,

    insbesondere Punkt 4 deiner Risikoanalyse war mir bislang nicht bekannt. Überspitzt gesagt, zahlt der Kunde also Gebühren für erhöhtes “Cash bunkern”. Hut ab.

    Schönen Gruß
    Marco

    Antwort
  • 13. März 2017 um 20:00
    Permalink

    Hi Marco,

    Das war mir auch neu.

    Cash zu bunkern macht ja gerade bei dem jetzigen Zinsniveau richtig Sinn…

    Beste Grüße

    Roland

    Antwort
  • 14. März 2017 um 07:07
    Permalink

    Die Fakten sind klar. Aber die Finanzindustrie drückt den Kram (Ich meine Fonds) mit aller Macht in den Markt und versucht sie dem Anleger schmackhaft zu machen. Und das nur aus einem Grund: Bestandsprovision. Irgendwo müssen die Banken ja Geld verdienen. Und mit ETFs verdienen sie gar nichts. Da bauen sie nur Millionen und Milliarden an Anlagevermögen auf. Schade… aber am Ende muss man sich als Anleger selber aufschlauen.

    Antwort
    • 14. März 2017 um 07:44
      Permalink

      Hi,

      so siehts aus. Deswegen ist es so wichtig, dass sich jeder selbst um seine Finanzen kümmert. Banken und Fondsanbieter dafür zu bezahlen, dass sie einem das Geld schlechter anlegen als die Benchmarks, muss wirklich nicht sein.

      Beste Grüße
      Roland

      Antwort

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