Macht Stock Picking für Privatanleger Sinn?

 

Es gibt eine relativ einfache Technik, um herauszufinden, ob du ein guter Stock-Picker sein wirst:

Stell dir die Frage: “Bin ich Warren Buffett?”

Wenn die Antwort “Ja” ist, solltest du Aktien selbst aussuchen.

Wenn die Antwort “Nein” ist, solltest du es dir mit dem Stock Picking noch einmal überlegen und lieber zu ETF’s greifen.

 

Stock Picking basiert auf falschen Annahmen

Spaß beiseite, Stock Picking – also die aktive Auswahl von Einzelaktien, mit dem Ziel die durchschnittliche Performance des Gesamtmarktes zu schlagen – ist aber speziell für Privatanleger in den meisten Fällen reine Zeit- und Geldverschwendung.

 

Stock Picking basiert auf zwei Annahmen:

  1. Es gibt am Markt falsch bewertete Wertpapiere, die man im Vorhinein identifizieren kann.
  2. Diese Fehlbewertungen kann man ausnutzen, um damit Gewinn zu erzielen.

Diese Annahmen sind zum größten Teil falsch. Der Markt preist alle frei verfügbaren Informationen sehr schnell ein. Die wahrscheinlichste zukünftige Entwicklung eines Wertpapiers wird also eingepreist, sobald diese Informationen verfügbar sind.

 

Der Wettbewerb spielt in einer ganz anderen Liga

Das bedeutet nicht, dass der Markt immer effizient ist. Auch Profis handeln ab und zu emotional. Somit können tatsächlich ab und zu Fehlbewertungen am Markt entstehen. Investoren-Profis wie Warren Buffett oder Hedgefondsmanager haben aber ganz andere Möglichkeiten als Privatinvestoren, solche Fehlbewertungen aufzuspüren. Sie beschäftigen sich den ganzen Tag mit nichts anderem und haben eigene Analysten, die sie mit Informationen versorgen.

Das ist auch nötig, um das Zahlen-Wirrwarr der Geschäftsberichte zu durchschauen. Unternehmen sind kreativ was die Buchführung angeht.

Außerdem haben Profis direkten Kontakt zum Management der Unternehmen. Während sie investiert sind, können sie durch ihre Erfahrung, Kontakte und ihre Stimmrechte die Zukunft der Unternehmen aktiv beeinflussen.

Kurz gesagt: Wenn Privatanleger Stock Picking betreiben, messen sie sich mit Professionellen Investoren. Die spielen aber in einer ganz anderen Liga was Informationen, Kapital und Kontakte angeht. Es ist als würde man als 1. FC Kleinkleckersdorf den FC Bayern München herausfordern.

Die Chance in diesem Duell als Sieger vom Platz zu gehen ist relativ gering.

 

Bier und Schaum

Wir Privatanleger hingegen müssen uns auf die öffentlich zugänglichen Informationen und Nachrichten verlassen. Dabei wird man von den Finanzmedien mit so vielen sinnlosen und teilweise auch falschen Informationen zugeballert, dass man die tatsächlich wichtigen überhaupt nicht mehr erkennt. Es ist also kein Wunder, dass viele Privatanleger auf die angeblichen Trends hereinfallen, die den schnellen Reichtum versprechen.

Es ist wie mit Bier und seinem Schaum. Wenn man sich an einem warmen Sommerabend ein Glas Bier einschenkt, konzentriert man sich auf das Bier. Man gibt sich Mühe, dass nicht zu viel Schaum entsteht. Am Ende weiß man genau, wie viel Bier und Schaum im Glas ist. Stell dir jetzt aber vor jemand anders hat dir das Glas eingeschenkt und du bist in einer dunklen Bar. In dieser Situation ist es für dich unmöglich zu erahnen wie viel Bier und wie viel Schaum sich im Glas befinden. Genau so verhält es sich mit dem Aktienmarkt.

Das “Bier” sind die tatsächlichen Unternehmen. Der “Schaum” sind die Aktienkurse die täglich steigen oder fallen und die kurzfristigen Marktnachrichten in den Nachrichten, Zeitungen und Finanzwebseiten. Hier muss immer etwas passieren – damit verdienen die Herausgeber ja schließlich Geld. Mit der langfristigen Entwicklung der Unternehmen hat das allerdings meist wenig zu tun. Deswegen sollte man diesen “Schaum” als langfristiger Investor weitestgehend ignorieren.

Als Privatanleger sitzt man aber in der dunklen Bar.

 

Anleitung wie man ein Finanzguru wird

Heutzutage ist es relativ einfach “Schaum” zu erzeugen. Die einzige Voraussetzung ist eine entsprechende Reichweite.

 

Wie man ein Finanzguru wird

 

Wenn man diese Schritte mehrere Male durchläuft klappt das mit dem Finanzguru-Status. Um die Reichweite und Aufmerksamkeit der Medien zu bekommen, kann man beispielsweise bei einer Börse arbeiten und sich in emotionalen Posen vor einer Kurstafel fotografieren lassen.

 

Auf den langfristigen Erfolg kommt es an

Jeder wird ab und zu Glückstreffer bei der aktiven Aktienauswahl haben. Im Endeffekt kommt es aber darauf an, ob man damit langfristig besser ist als der Markt. Viele Untersuchungen sind aber zu dem Schluss gekommen, dass dies nur bei den wenigsten Privatinvestoren der Fall ist. Die Wirtschaftswissenschaftler Barber und Odean haben in ihrem Paper “The Behaviour of Individual Investors” folgendes herausgefunden:

Aktive Privatinvestoren:

  1. Underperformen den Markt
  2. Verkaufen Gewinner Wertpapiere und halten an Verlierern fest
  3. Werden stark von der historischen Preisentwicklung von Wertpapieren in ihren Anlageentscheidungen beeinflusst
  4. Halten schlecht diversifizierte Portfolios

All diese Fehler kann man ganz einfach vermeiden, wenn man in große ETF’s investiert.

 

Warum betreiben trotzdem so viele Privatanleger Stock Picking?

Den meisten Menschen fällt es schwer sich mit dem Durchschnitt zufrieden zu geben. Also verschwenden sie viele Stunden für Recherche von veralteten Informationen, die sowieso schon im Preis verwertet sind.

Der andere Hauptgrund ist die Werbung der Broker und Finanzmedien. Hier wird natürlich immer suggeriert, dass man mit ihrem Angebot den Markt schlagen wird.

Aktive Trader sind die Lieblingskunden der Broker.

 

Fazit

Aktives Stock Picking beruht auf zwei Annahmen: Es gibt falsch bewertete Wertpapiere am Markt und diese Fehlbewertungen kann man im Vorhinein erkennen und gewinnbringend ausnutzen. Der Markt verhält sich zwar nicht immer effizient, im Normalfall preist er die frei verfügbaren Informationen aber innerhalb weniger Sekunden ein. Wenn man nicht über Insider-Informationen verfügt, ist es also fast unmöglich die zukünftige Entwicklung einzelner Aktien vorauszusagen.

Angenommen man schafft es trotzdem den Markt um 2% pro Jahr zu schlagen. Man hätte also besser abgeschnitten als die meisten professionellen Fondsmanager, die sich 15 Stunden am Tag mit nichts anderem beschäftigen. Wir hätten es aber mit nur zwei Stunden Recherche am Tag geschafft. Dann wäre das bei einem investierten Vermögen von z.B. 10.000 € ein Stundenlohn von 0,38 €.

Meine Zeit ist mir mehr wert.

 

Was hältst du von Stock Picking? Hast du es schon einmal probiert? Vielleicht sogar erfolgreich? Oder bist du ein ETF-Investor wie ich?

Über deine Kommentare und Fragen würde ich mich freuen!

 

Hast du noch keinen Broker für dein ETF- oder Aktien-Portfolio? Dann schau Dir doch flatex (Affiliate-Link) oder OnVista (Affiliate-Link) an. Mit den beiden habe ich auch gute Erfahrungen gemacht und sie sind laut justETF die günstigsten Online-Broker für ETF-Sparpläne.

Willst du dich mehr in die Themen Investieren, private Geldanlage oder Persönlichkeitsentwicklung einlesen. Dann ist bei meinen Buchempfehlungen für dich bestimmt etwas dabei.

Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Artikel!

Entspannte Grüße

Dein Roland

7 Gedanken zu „Macht Stock Picking für Privatanleger Sinn?

  • 2. März 2017 um 16:36
    Permalink

    Teilweise kann ich dir recht geben, aber du wirfst meiner Meinung nach unterschiedliche Ausgangslagen in einen Topf. Also zunächst muss jemand der Stock-Picking betreibt, ja kein Trader sein. Auch bei einer Buy-And-Hold-Strategie kann man Stock-Picking betreiben und man bleibt trotzdem langfristig am Markt. Das würde dann gleichzeitig die von dir genannten Fehler betreffen, die eigentlich mehr auf Trader zutreffen.

    Da wäre eine genauere Differenzierung ganz nett und hilfreich. In Bezug auf Trading hast du da aber vollkommen recht. Ist nur eben ein Unterschied zum Stock-Picking.

    Antwort
    • 5. März 2017 um 12:31
      Permalink

      Hallo Tom,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Du hast Recht, bei den Fehlern von privaten Investoren von Barber und Odean handelt es sich bei vielen um Trading-Fehler. Da habe ich nicht genug abgegrenzt.

      Stock Picking und Trading ist definitiv nicht gleichzusetzen aber es wird oft zusammen betrieben. Beim Buy and Hold und Value Investing mit Einzelaktien hat man zwar viele Nachteile des Tradings nicht (hohe Transaktionskosten, Market Timing, Biases usw.) aber es ist dennoch sehr schwer die Benchmarks zu schlagen, aus den weiter oben genannten Punkten. Außerdem ist es deutlich schwerer das Portfolio zu diverzifizieren.

      Beste Grüße
      Roland

      Antwort
  • 24. März 2017 um 16:38
    Permalink

    Schöner Blog! (gleich mal abonniert)

    Ein guter Artikel, aber es wird mal wieder (zumindest implizit) behauptet, dass ALLE Stock-Picker den Markt schlagen wollen. Es gibt aber auch andere Gründe, warum man nicht mit ETFs anlegen möchte.

    Ich z.B. scheue jede auch noch so geringe dauerhafte Verwaltungsgebühr. Einmalkosten sind mir lieber. Auch der ewige Vergleich mit Buffett ist nicht immer zielführend:

    – er hatte von Beginn seiner Karriere an immer jede Menge OPM (Other People’s Money) zur Verfügung und konnte damit größer in den Markt einsteigen als andere.

    – er hat und hatte überragende Research-Möglichkeiten und sicher auch Fähigkeiten gepaart mit Glück.

    Wenn ich mir seinen regelmäßigen Pflicht-Report über die getätigten Investments anschaue, dann ist er aber im Vergleich zu mir ein geradezu hektischer Rein-Raus-Trader 😉

    Antwort
    • 26. März 2017 um 13:06
      Permalink

      Hallo Wirtschaftswaise,

      vielen Dank für das Kompliment und das Abo 🙂

      Mit Aktien kann man natürlich auch langfristig anlegen und man spart sich die laufenden Gebühren. Das tolle an ETF’s finde ich aber, dass man sich mit 1-2 schon ein globales und diversifiziertes Portfolio aufbauen kann. Deswegen sind sie auch so gut für Anfänger geeignet und man hat so gut wie keinen Aufwand.

      Der arme Warren muss immer für irgendwelche Vergleiche herhalten :D. In diesem Fall wollte ich damit die Konkurrenz aufzeigen, wenn man sich für Stock Picking entscheidet, mit dem Ziel den Markt zu schlagen.

      Beste Grüße
      Roland

      Antwort
  • 15. Juni 2017 um 11:50
    Permalink

    Zum Thema Stockpicking:

    Deine Annahmen sind falsch. Die Frage ist, wie viel Rendite du verdienen willst und manche Unternehmen geben dir 8%, 12% oder 20% Rendite im Jahr. Je höher deine Renditeanforderung, umso schwieriger ist es, günstige Unternehmen zu finden.

    Empfehlen kann ich dir vor allem die Metapher des Mr. Markets, der Unternehmen mal günstig und mal teuer bewertet. Es trifft sehr gut zu und ich denke auch, dass es nicht schwer ist, im Schnitt den Markt um 1-2% zu schlagen.

    Antwort
    • 17. Juni 2017 um 12:47
      Permalink

      Hallo Paul,

      in dem Artikel sage ich ja auch, dass es zu Fehlbewertungen am Markt kommen kann. Manchen Investoren gelingt es auch vielleicht den Markt dauerhaft zu schlagen. Die meisten Privatanleger und auch Profis (siehe mein Artikel zu aktiven Fonds) schaffen das aber nicht. Dazu gibt es mehrere Untersuchungen. Außerdem ist es sehr aufwendig gute Unternehmen für seine Picks zu ermitteln. Wenn das Portfolio groß genug ist, mag sich der Aufwand lohnen. Bei kleineren Portfolios ist man mit dem Marktdurchschnitt gut beraten und kann seine Zeit sinnvoller nutzen.

      VG
      Roland

      Antwort
    • 8. Dezember 2017 um 09:11
      Permalink

      ” ich denke auch, dass es nicht schwer ist, im Schnitt den Markt um 1-2% zu schlagen”

      Du bist besser als die Wall Street? In diesem Falle würde ich dich gerne als Portfoliomanager engagieren.

      Ich glaube bei deiner Aussage kommt es auf die zeitliche Perspektive an. Klar kann man den Markt um 2% schlagen, fragt sich nur wie lange. Einen Tag, eine Woche, ein Jahr, 10 Jahre, 30 Jahre?

      Einen Glücktreffer landet jeder mal, aber nicht 30 Jahre. Das gab es noch nie oder bist du wirklich der Erste?

      Antwort

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