Bist du Opfer des Home Bias?

Dann geht es dir ähnlich wie vielen anderen privaten und institutionellen Investoren. Einschließlich mir. Home Bias ist weit verbreitet. Wahrscheinlich ist er in fast jedem Land der Welt zu finden.

Es handelt sich hierbei um die Tendenz eher in in Aktien und Fonds aus dem Heimatland zu investieren. Genauer gesagt: Die Gewichtung von Anlagen im Heimatland ist höher als ihr tatsächlicher Anteil an der Weltwirtschaft.

Wie hoch ist der Home Bias in verschiedenen Aktienmärkten?

In allen 5 Märkten einer Vanguard Studie gab es einen Home Bias. Nur die Höhe fiel unterschiedlich aus.

Equity Home Bias in 5 Märkten
Equity Home Bias in 5 Märkten

Am höchsten ist er in Australien. Hier sind Investoren zu 66% in den heimischen Aktienmarkt investiert. Dabei macht der Anteil im globalen Index (MSCI All Country World Index) gerade einmal knapp 2% aus. In den USA ist der Home Bias dagegen fast schon harmlos. Das liegt aber am sowieso schon sehr hohen Anteil von ca. 50% an der globalen Marktkapitalisierung.

In Deutschland liegt der Heimanteil in den Depots bei ca. 60-70%. Dagegen steht ein Anteil an der globalen Marktkapitalisierung von ca. 3,5%. Somit ist der Home Bias in Deutschland im internationalen Vergleich ziemlich stark.

Warum ziehen wir die Heimat vor?

Das ganze bezieht sich übrigens nicht nur auf Privatanleger. Auch Profiinvestoren sind vom Home Bias nicht ausgeschlossen. Aber warum kommt es überhaupt dazu?

Ein wichtiger Grund ist ein zumindest gefühlter Vorteil bei der Informationsbeschaffung. Da ist auch was dran. Deutsche Investoren haben es bestimmt einfacher deutsche Unternehmen, deren Reports und Nachrichten zu verstehen.

Dazu kommen noch die Währungsrisiken, die man sich bei internationalen Investitionen mit ins Portfolio holt. Auch durch höhere Gebühren und Steuern können Nachteile entstehen.

Risiken des Home Bias

Den Einfluss von geografischer Diversifikation erkennt man gut an dem nächsten Bild. Hier werden die kumulierten Renditen einzelner Länder mit dem gleichgewichteten Mix der Länder verglichen. Besonders schlimm ging es Investoren in Russland und Deutschland Anfang des 20ten Jahrhunderts. In den anderen Ländern waren die Drawdowns nicht ganz so groß. Die Schwankungen sind aber bei allen einzelnen Ländern erheblich. Der gleichgewichtete Mix der Länder performte dagegen fast so gut wie der Spitzenreiter USA, und schwankt außerdem weniger.

Equity Market Excess Returns
Equity Market Excess Returns

Globale Diversifikation führt also zu konsistenten Renditen und kann dich im Extremfall vor Totalverlust retten. Das ist auch logisch, denn die besten und schlechtesten Performer wechseln sich über die Jahrzehnte ab. Die USA und auch Deutschland gehörte in den 2010er Jahren zu den besten Performern. Das war aber nicht immer so und kann auch nicht immer so sein. Denn Outperformance führt zu Überbewertungen. Die müssen über kurz oder lang wieder zu einer Umkehrung, also zu Underperformance führen.

Die Top-Performer der letzten Jahrzehnte:

  • 2010er: USA
  • 2000er: Norwegen
  • 1990er: Schweiz
  • 1980er: Schweden
  • 1970er: Südkorea
  • 1960er: Spanien
  • 1950er: Deutschland

Geografische Diversifizierung wird immer wichtiger

Schon in den letzten Jahrzehnten hätte geografische Diversifizierung einen positiven Effekt auf dein Portfolio gehabt. Und diese Zeit war durch die Globalisierung und die wirtschaftliche bzw. politische Vormachtstellung der USA eher durch eine Annäherung der Kapitalmärkte geprägt. Somit war hier der Effekt durch Diversifizierung gar nicht so groß, da die Korrelation zwischen den verschiedenen Ländern sowieso schon relativ hoch war.

Für das nächste Jahrzehnt sieht das aber anders aus. Hier könnte die Korrelation eher wieder abnehmen. Dafür spricht vor allem, dass China als neue Wirtschaftsmacht andere Wege gehen wird als die westliche Welt. Dazu kommen auch immer stärker werdende Anti-Globalisierungs-Bewegungen und Trade-Wars.

Diese Änderungen könnten für heimische Portfolios Risiken bergen. Denn die sind durch den Home Bias in den Emerging Markets und vor allem China sehr unterrepräsentiert. Zum Glück gibt es aber immer mehr gute China und Emerging Markets ETF mit denen du dein Portfolio global diversifizieren kannst.

Fazit

Portfolios von privaten und institutionellen Anlegern in Deutschland sind relativ stark vom Home Bias betroffen. Das hat logische Gründe birgt aber Risiken. In den letzten Jahrzehnten waren die Risiken relativ gering. Denn hier war die globale Wirtschaft sowieso stark korreliert. Das könnte sich aber aufgrund von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen (wie dem Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht oder dem Rückzug der USA als “Stabilisator”) ändern. Deshalb wird es immer wichtiger den Home Bias abzubauen und sein Protfolio global zu diversifizieren.

 

Bist du auch vom Home Bias betroffen? Wie siehst du die Risiken? Und was hältst du von Emerging Market und China ETF? Ich freu mich auf eure Kommentare und Fragen!

 

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Willst du dich mehr in die Themen Investieren, private Geldanlage oder Persönlichkeitsentwicklung einlesen. Dann ist bei meinen Buchempfehlungen für dich bestimmt etwas dabei.

Vielen Dank für das Interesse und bis zum nächsten Artikel!

Entspannte Grüße

Dein Roland

 

4 Comments

  • Hallo Roland.
    Ja ich bin auch ein “Opfer” des Home Bias.
    Aktuell habe ich 36,72% von meinem Depot rein in österreichische Aktien investiert.
    Rest in ETF World SRI, EM SRI und eine Altfond Aktien Europe ohne UK.
    Dank deinem Bericht werde ich das in Zukunft noch korregieren, wobei anderseits bin ich hier patriotisch und werde mir auch passende deutsche Aktien noch in das Depot nehmen.

    Mfg Jürgen

    • Hallo Jürgen,

      mit 36% bist du ja noch weniger “biased” als der Durchschnitt. Bei mir sind es auch fast 20%.

      Ich bin aber auch dabei den Anteil zu verkleinern.

      Beste Grüße

      Roland

  • Bei mir sollte der Home Bias auch so zwischen 20 und 40% liegen, wobei es ein zusätzliches Klumpenrisiko gibt, da die meisten Home-Biased-Aktien Mitarbeiteraktien sind (ca. 50%). Langezeit waren das ohnehin meine einzigen Aktien, also bin ich schon besser geworden ;-). Nach der Dotcom-Blase und der Finanzkrise hatte ich den Aktien allgemein den Rücken zugekehrt (eine Geschichte gemacht aus Jugendweihe-Geld, DM-Zeichen in den Augen der Bankverkäufer und einem Ahnungslosen Jugendlichen).

    • Hi Pekka,

      verstehe, deine Situation mit den Mitarbeiteraktien macht es natürlich schwer den Home Bias zu vermeiden.

      Aber super dass du es trotzdem angehst!

      Beste Grüße

      Roland

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