Die Suche nach weniger – Meine Erkenntnisse aus Essentialismus von Greg McKeown

Ich wünsche dir ein erfolgreiches neues Jahr! Zum Start wollte ich dir meine wichtigsten Erkenntnisse eines der besten Bücher mitgeben, die ich 2019 gelesen habe. Essentialismus von GregMcKeown*.

 

Weniger aber besser

Weniger aber besser. Das ist die Kernaussage von Essentialismus. Bei Essentialismus geht es nicht darum mehr zu erreichen. Die Idee ist es systematisch herauszufinden, wo wir den höchsten Beitrag leisten wollen und in diesem Bereich die Ausführung kinderleicht zu gestalten.

Dafür müssen wir als erstes realisieren: Auch wenn wir nicht alle über die gleichen Optionen verfügen, wir alle haben die Kontrolle über unsere eigenen Entscheidungen. Das fällt uns nicht immer leicht, denn Nein zu sagen gilt als schlechtes gesellschaftliches Verhalten. Deswegen sagen wir oft zu allen möglichen Anfragen Ja. Ja, zu sinnlosen Meetings, unnötiger Arbeit oder nervigen Veranstaltungen. Aber wir müssen verstehen: Wenn wir unsere Prioritäten nicht selbst setzen, dann tut es jemand anderes.

Ein Essentialist zu sein ist nicht einfach. Denn man muss sich gegen viele Möglichkeiten entscheiden. Die Realität ist aber, du kannst nicht alles machen (z.B. Projekte, Hobbies, Geschäftsideen). Zumindest nicht gut. Deswegen sollte die positive Frage sein: „In welchem Bereich will ich richtig gut werden?“ Und nicht: „Was will ich aufgeben?“

Um das Ganze in die Praxis umzusetzen können wir ein einfaches System verwenden. Es besteht aus den drei Elementen:

Erkunden (Explore) – Entfernen (Eliminate) – Ausführen (Execute)

 

Erkunden – Die Suche nach dem Essentiellen

Wir können uns glücklich schätzen. Die aktuellen Generationen haben wahrscheinlich die meisten Möglichkeiten der Menschheitsgeschichte. Mit vielen Möglichkeiten wird aber auch die Notwendigkeit von Entscheidungen immer wichtiger. Viele Menschen realisieren das aber gar nicht. Wir können uns entscheiden wie wir unsere Zeit und Energie nutzen. Wir haben nicht immer die Kontrolle über unsere Möglichkeiten – aber wir haben immer die Kontrolle über unsere Entscheidungen über sie.

Bevor wir uns entscheiden sollten wir aber zuerst unsere Möglichkeiten erkunden. Beim Erkunden geht es darum die wichtigsten Aktivitäten herauszufiltern, die dich näher an dein Ziel bringen. Dabei sollte die Frage sein: “Wenn du jetzt nur eine Sache in deinem Leben machen könntest, was wäre es?”

Um herauszufinden was wir wirklich wollen brauchen wir:

  • Raum zum Nachdenken – abseits des Alltags, von Pflichten und Ablenkungen
  • Zeit sich umzuschauen und zuzuhören – um neue Optionen zu entdecken
  • Die Möglichkeit zu Spielen – Spielen (alles was wir ohne ein konkretes Ziel, sondern nur zum Spaß machen) fördert die Kreativität, baut Stress ab und fördert die Fähigkeit zu erkunden
  • Schlaf – nur ein ausgeruhter und wacher Geist weiß was er will
  • Und strenge Auswahlkriterien in der Exploration unserer Möglichkeiten

 

Entfernen – Entferne das Nicht-Essentielle

Um Wissen zu erlangen füge jeden Tag etwas hinzu. Um Weisheit zu erlangen ziehe jeden Tag etwas ab. Laotze

Unsere Zeit ist das einzige was wirklich unbezahlbar ist. Und trotzdem lassen wir es immer wieder zu, dass andere sich an unserer Zeit bedienen. Deswegen ist es wichtig proaktiv Grenzen zu setzen um unsere Zeit zu schützen. Aber wo setzen wir die Grenzen?

Eine Möglichkeit ist die 90-Prozent-Regel. Immer wenn du eine Möglichkeit bewertest gibst du ihr eine Bewertung zwischen 0 und 100. Alles unter 90% lehnst du ab und sagst somit nur noch “Ja” zu den besten 10% deiner Optionen. Nach dem Motto:

“No More Yes. It’s Either a HELL YEAH! Or No!”

Es gehört Mut dazu “Nein” zu sagen. Oft sagen wir einfach “Ja” ohne nachzudenken, weil wir jemanden nicht enttäuschen wollen. Teilweise verwechseln wir dadurch die Anfrage mit unserer Beziehung zu der Person. Aber die zwei Dinge müssen wir getrennt sehen.

Ein weiterer Blickwinkel der es dir vereinfacht “Nein” zu sagen ist: Jeder versucht dir etwas zu verkaufen – eine Idee, eine Sichtweise, eine Meinung – im Austausch gegen deine Zeit. Darüber im Klaren zu sein hilft uns gezielter zu entscheiden ob wir hier mehr Zeit und Energie investieren wollen.

 

Drei Bias die uns dazu verleiten falsche Entscheidungen zu treffen

Sunk Costs Bias: Kennst du das? Du hast ein Projekt oder ein Investment von dem du eigentlich weißt, dass es nicht gut läuft. Aber trotzdem hältst du daran fest und steckst weiter Zeit, Energie oder Geld rein. Das ist der Sunk Cost Bias. Ein Essentialist hat den Mut sich den Fehler einzugestehen und sich von dem Projekt zu lösen – egal wieviel schon investiert wurde. Es ist keine Schande einen Fehler einzugestehen. Aber es ist eine Dummheit einen Fehler immer weiter zu machen, obwohl man weiß dass es falsch ist.

Endowment Effekt: In einem Experiment an einer Uni wurde der Hälfte einer Gruppe Studenten eine Tasse gegeben – der anderen Hälfte nicht. Jetzt sollten die Studenten ihren Preis für die Tasse entscheiden. Die Studenten mit Tasse wollten einen Preis von mindestens 5,25$. Die Studenten ohne Tasse waren aber nur bereit maximal 2,75$ zu zahlen. Der Grund ist der Endowment Effect. Durch ihn überbewerten wir den Wert einer Sache, wenn wir sie besitzen und unterbewerten ihn wenn wir die Sache nicht besitzen. Um diesem Effekt entgegenzuwirken hilft die Frage: “Wieviel würde ich für etwas ausgeben, wenn ich es nicht schon besitzen würde?”

Fear of Missing Out (FoMo): Das Bedeutet im Klartext: “Die Angst etwas zu verpassen”. Nur aus Angst eine Möglichkeit oder ein Ereignis zu verpassen entscheiden wir uns dafür, obwohl wir uns rational denkend bestimmt dagegen entschieden hätten. FoMo ist ein extrem schlechter Investment Ratgeber. FoMo-Käufe finden meist zum höchstmöglichen Kurs statt.

 

Die eine Entscheidung die tausend spätere Entscheidungen regelt

Wenn uns nicht genau klar ist welchen Zweck und welche Ziele wir verfolgen, neigen wir dazu zu viel Zeit und Energie auf unwichtige Dinge zu verschwenden. Das gilt fürs Private und auch für den Beruf. Wenn gemeinschaftliche Ziele unklar sind, setzen sich die Beteiligten eigene Ziele. Teams werden dadurch führungslos und jeder verfolgt seine eigenen kurzfristigen Interessen. Um uns Klarheit über unsere Ziele zu verschaffen, brauchen wir einen “Essential Intent” – ein Leitbild.

Vor allem Unternehmensleitbilder sind oft sehr vage und mit Buzzwords überladen formuliert. Im Endeffekt kann sie sich niemand merken und deswegen hält sich auch niemand daran.

Ein gutes Leitbild ist beides – extrem konkret und inspirierend, bedeutungsvoll und messbar. Es ist die eine Entscheidung, die tausend spätere Entscheidungen regelt.

Ein Leitbild zu formulieren ist hart aber wichtig. Bei der Findung helfen dir zwei Fragen:

  1. “Wenn ich nur eine Sache perfekt beherrschen könnte, was wäre es?”
  2. “Wie weiß ich, ob ich erfolgreich war?”

Haben wir ein Leitbild gefunden, sollten wir in regelmäßigen Abständen unsere Aktivitäten mit unserem Leitbild abgleichen. Stimmen sie nicht überein sollten wir sie anpassen oder entfernen.

 

Ausführen – Finde dein System das erfolgreich sein zum Kinderspiel macht

Sobald wir herausgefunden haben, welche Aktivitäten und Anstrengungen wir in unserem Leben behalten wollen, brauchen wir ein System um diese auszuführen. Damit das Essentielle zu tun zum Kinderspiel wird müssen wir für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Ein Fehler der oft bei der Zeit- oder Finanzplanung von Projekten gemacht wird ist – man nimmt ein Best-Case Szenario an.  Bei unerwarteten Änderungen haben wir dann direkt eine Verzögerung im Zeitablauf oder das Budget ist ausgeschöpft. Deswegen ist es immer wichtig einen Puffer in die Planung einzubauen. Wie groß der Puffer ist hängt natürlich vom Projekt ab. Bei komplexen Projekten ist ein Weg einfach 50% mehr Zeit als abgeschätzt einzuplanen.

Nehmen wir an du machst einen Wanderausflug mit einer Gruppe. Einer der Teilnehmer ist extrem unsportlich und fällt immer zurück. Er gehört aber zur Gruppe und muss mit ins Ziel. Was ist deine Lösung?

Eine Lösung ist: Du setzt den Schwächsten an den Anfang der Gruppe. Damit er die Gruppe aber nicht weiter aufhält machst du dem Schwächsten das Leben einfacher. Du gibst ihm gute Ausrüstung und verteilst sein Gepäck auf den Rest der Truppe.

Was ist das Hindernis das dich davon abhält das wirklich Wichtige zu erreichen? Identifiziere und entwickle kreative Lösungen um es zu entfernen.

 

Maximale Motivation durch minimale Fortschritte

In der Forschung ist man sich einig: Von allen Formen der Motivation ist Fortschritt die effektivste. Warum? Weil schon ein kleines Erfolgserlebnis Momentum aufbaut. Damit stärken wir unseren Glauben an weiteren Erfolg.

Anstatt groß anzufangen – und dann beim Ausbleiben von großen Erfolgen direkt frustriert aufzugeben – macht es also Sinn klein anzufangen. Indem wir stetig Fortschritte und Erfolge verzeichnen schaffen wir einen positiven Feedback-Loop. Wenn dann plötzlich der große Erfolg eintritt, wird er für andere wie ein „Overnight Success“ aussehen.

Early and Small ähnelt der Idee des Minimum Viable Product.

Early and Small Logik:

  1. Fange so früh wie möglich an! “Done is better than perfect.”
  2. Minimaler Einsatz von Zeit und Geld
  3. So schnell wie möglich Erfahrungen und Feedback sammeln
  4. Nutze Erfahrungen um dich zu vertiefen, zu verbessern oder anderweitig zu orientieren 

 

Die Macht der Gewohnheiten

Gewohnheiten sind eins der stärksten Tools, um Hindernisse abzubauen und Ausführung zu vereinfachen. Alles was du brauchst ist ein kleines Investment an Energie um die Gewohnheit aufzusetzen. Danach musst du sie nur noch regelmäßig ausführen. Warum sind Gewohnheiten aber so mächtig? Eine vereinfachte Erklärung ist: Wenn wir eine Aufgabe wieder und wieder ausführen, bauen unsere Nervenzellen neue Verbindungen auf. Durch Wiederholung verstärken sich die Verbindungen (Synapsen). Dadurch wird es einfacher für das Gehirn sie zu aktivieren und die Aufgabe wird für uns leichter.

Jede Gewohnheit besteht aus drei Teilen: Einsatz (Cue), Routine (Routine), und Belohnung (Reward). Da jede Gewohnheit mit dem Einsatz (Cue) anfängt, ist es am wichtigsten dieses Event ausfindig zu machen und es mit essentiellen Aktivitäten zu verknüpfen. Das kann zum Beispiel dein erster Kaffee am Morgen sein. Den kannst du dann als Trigger verwenden und dich immer direkt danach an deine wichtigste Aufgabe des Tages setzen. Wenn du mehr über die Macht der Gewohnheiten lernen willst, solltest du dir “Atomic Habits” von James Clear anschauen. Ein weiteres sehr gutes Buch aus 2019. Wahrscheinlich kommt dazu bald auch ein Artikel 😉

 

 

Egal welche Entscheidung du gerade fällen musst oder welche Herausforderung sich dir gerade bietet – stelle dir die Frage:

“Was ist essentiell?” Entferne alles andere.


Falls du neugierig geworden bist, kannst du das Buch unter diesem Link kaufen*.




 

Was hältst du von den Grundideen von Essentialismus? Benutzt du schon eine der beschriebenen Techniken? Hast du das Buch auch schon gelesen?

 

 

Hast du noch kein Depot für dein ETF- oder Aktien-Portfolio? Dann schau Dir meine Depot-Übersicht an. Hier findest du den besten Anbieter für dich!

Willst du dich mehr in die Themen Investieren, Unternehmertum oder Persönlichkeitsentwicklung einlesen. Dann ist bei meinen Buchempfehlungen für dich bestimmt etwas dabei.

Vielen Dank für das Interesse und bis zum nächsten Artikel!

Entspannte Grüße

Dein Roland

 

*Bei den Links handelt es sich um Affiliate-Links. Für dich kommen keine Zusatzkosten hinzu. Für mich gibt es eine kleine Provision.

 

4 Replies to “Die Suche nach weniger – Meine Erkenntnisse aus Essentialismus von Greg McKeown”

  1. Hi Roland,

    das Buch habe ich leider noch nicht gelesen aber es klingt spannend – sollte ich wahrscheinlich 2020 mal lesen 😉 . Ich finde die Grundidee des Essentialismus absolut der richtige Schritt (für mich). Wir haben doch fast alle einfach zu viel Gedöns.

    Beste Grüße
    Max

    1. Hi Max,

      da hast du vollkommen Recht! Ich neige generell dazu zu viel machen zu wollen.
      Deswegen verliere ich manchmal den Überblick und konzentriere mich dadurch nicht genug auf die wirklich wichtigen Dinge.
      Da arbeite ich dran. Aus dem Buch konnte ich jedenfalls viel mitnehmen 🙂

      Liebe Grüße
      Roland

  2. Danke für die super Zusammenfassung.

    Ich habe mir den Artikel einfach mal ausgedruckt, werde mir die essentiellen Punkte markieren und dies an meine Wand hängen. Ich finde den Essentialismus als Lebenskonzept super gut und merke (gerade jetzt in der Corona-Zeit), dass ich viel zu viel unnötiges Zeugs in meinem Leben habe. Durch diesen Artikel werde ich einige Bereiche, welche mir keinen Spaß machen, reduzieren.

    Mach weiter so!

    1. Hi Armin,

      vielen Dank für dein liebes Feedback! Stimme dir da voll zu, das Buch hat mir Anfang des Jahres auch nochmal die Augen geöffnet.

      Ich versuche mich jetzt mehr auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren.

      Beste Grüße

      Roland

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