Von Optimismus zu Wohlstand

In letzter Zeit hört man viel negatives über unsere Zukunft. Bald kommt die große Rezession. Den Klimawandel können wir nicht mehr aufhalten. Handelskriege und destruktive Stimmung in der Politik verschärfen sich. Dieser Pessimismus bringt uns aber nicht weiter – im Gegenteil. Optimismus ist eine wichtige Quelle für Wachstum und Wohlstand.

 

Von Optimisten und Pessimisten

In seinem Buch Zero To One schreibt der US-Investor und -Unternehmer Peter Thiel: Es gibt 4 mögliche Arten über die Zukunft zu denken:

 

  unbestimmt bestimmt
Optimismus unbestimmter Optimismus bestimmter Optimismus
Pessimismus unbestimmter Pessimismus bestimmter Pessimismus
  1. Bestimmter Optimismus: Die Zukunft wird besser als die Gegenwart und wir wissen wie.
  2. Unbestimmter Optimismus: Die Zukunft wird besser als die Gegenwart und wir wissen nicht wie.
  3. Bestimmter Pessimismus: Die Zukunft wird schlechter als die Gegenwart und wir wissen wie.
  4. Unbestimmter Pessimismus: Die Zukunft wird schlechter als die Gegenwart und wir wissen nicht wie.

Ein Großteil des letzten Jahrhunderts war von definitivem Optimismus geprägt. Das erklärt den niemals zuvor gesehenen Sprung in der technologischen Entwicklung. Die Relativitätstheorie. Die Mondlandung. Die Erfindung des Computers. Die Erfindung des Internet. Das alles war nur möglich durch bestimmten Optimismus.

Denn bestimmter Optimismus führt zu einer positiven Vision der Zukunft und der Vorstellungskraft wie wir zu dieser positiven Zukunft gelangen. Er ist der Nährboden für Innovation.

Aber bestimmter Optimismus nimmt ab. Große Träume werden immer mehr als kindische Illusionen gesehen. Wir vertrauen den “Verrückten” mit den großen Visionen nicht mehr. Und die meisten Menschen glauben nicht mehr an eine Zukunft die radikal anders und besser ist als die Gegenwart.

 

Zusammenhang von Optimismus und Wohlstand

Aber genau solche Visionäre brauchen wir. Denn Optimismus und eine positive Vision der Zukunft sind die Basis für Wachstum und Wohlstand. Denn diese positive Vision der Zukunft steht am Anfang von Forschung und Entwicklung. Sie gibt uns die Motivation an den großen Fragen des Universums zu forschen.

Aus Forschung und Entwicklung wiederum entstehen Innovationen und Erfindungen – also technologischer Fortschritt. Durch bessere Technologie und mehr Wissen steigt unsere Produktivität, das Wirtschaftswachstum unser Lebensstandard und somit auch unser Wohlstand.

Aber anstatt groß zu denken verfallen viele Menschen heute in Nullsummen-Statusspiele. Menschen wie auch Unternehmen folgen den gleichen engen Pfaden. Das führt im Endeffekt nur zu mehr Wettbewerb, Produktivitätsverlust und Stagnation (Peter Thiel).

 

Weniger Innovationen in der Wirtschaft

Diesen Effekt sehen wir in der Wirtschaft. Es gibt so viele Branchen in denen es nur so vor Wettbewerb wimmelt. Jeder kopiert seinen Wettbewerber und die Unterschiede in Geschäftsmodellen oder Produkten sind oft nur marginal.

Nur wenige Unternehmen haben den Mut etwas radikal anders zu machen. Somit bleiben die Innovationen aus. Seit dem Internet sind nur wenige bahnbrechenden Erfindungen dazu gekommen. Das meiste sind einfach nur Gadgets ohne substantiellen Mehrwert.

So viele Innovationen wurden als fast marktreif angekündigt: Gentherapie, neue Krebsbehandlungen, die Brennstoffzelle, schnelles Satelliten Internet, alternative Energien, revolutionäre neue Antriebsformen.  Bis jetzt hat es keine der Technologien zur Marktreife geschafft. Wir fahren immer noch mit Verbrennungsmotoren durch die Gegend und der größte Anteil unserer Stromerzeugung stammt noch aus fossilen Energiequellen.

Für den Kapitalmarkt hat es verheerende Auswirkungen wenn die großen Hoffnungen auf Innovationen nicht erfüllt werden. Vor allem in den Märkten für neue Technologien beruht fast die gesamte Bewertung auf Hoffnung in Innovation. Werden diese nicht erfüllt kommt es hier zum Crash.

 

Das Produktivitätswachstum in der Wirtschaft lässt nach

Ein Großteil dieser Entwicklung ist mit der weltweit steigenden Risikoaversion zu erklären (Interessanter Artikel dazu). Wenige sind noch bereit Risiken einzugehen und gleichzeitig behindern wir unseren Fortschritt immer mehr durch Regulierung. Das führt zu Entwicklungen die Daniel Kahneman (Autor von “Thinking – Fast and Slow”) folgendermaßen beschreibt:

Schädlich für den Wohlstand des Einzelnen, für die Stabilität der Politik und für das Wohl der Gesellschaft.

Regulierung hat den Sinn die Schwachen vor den Starken zu schützen aber übermäßige Regulierung verhindert Innovation. Wären die heutigen Regulierungen schon Anfang des 20ten Jahrhunderts in Anwendung gewesen hätten wir jetzt wahrscheinlich keine Flugzeuge, Antibiotika, Autos, Röntgen oder Impfungen.

Risikoaversion und Regulierung sind der Feind der Produktivität. Und die Produktivität wächst leider immer weniger – trotz der technischen Innovationen der letzten Jahre. Das ist ein Problem. Vor allem im Hinblick auf den demografischen Wandel, wo weniger Angestellte für mehr Pensionäre zahlen müssen. Der US-Ökonom Paul Krugman sagt dazu:

Ob ein Land seinen Lebensstandard über die Zeit verbessern kann, hängt fast vollständig davon ab, ob es gelingt, den Output pro Arbeitnehmer zu steigern.

 

Pro­duk­ti­vi­tät in Deutsch­land
Pro­duk­ti­vi­tätsentwicklung in Deutsch­land

 

Produktivität und Fortschritt in der Forschung nehmen ab

In der Forschung ist es ähnlich. Forscher müssen Risiken eingehen um zu ihren Entdeckungen zu kommen. Sie riskieren immer ihren Ruf, weil sie disruptive Ideen haben. Manchmal riskieren sie sogar ihr Leben (Marie Curie). Wenn Risikoaversion also schlecht für die Produktivität in der Wirtschaft ist, dann ist sie erst Recht destruktiv für die Produktivität in der Forschung.

Patrick Collison und Michael Nielsen untersuchten in einer Studie die Produktivität in der Forschung. Sie ließen 93 Wissenschaftler die Bedeutung von Nobel Preis Forschungsergebnissen in verschiedenen Wissenschaften bewerten. Dazu gehörten z.B. die Entdeckung von Neutronen oder der kosmischen Hintergrundstrahlung. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Bedeutung der Entdeckungen seit den 60er Jahren abnimmt. Besonders gilt das für die Physik und andere Naturwissenschaften. Einzig die Entdeckungen der letzten Jahre in der Biologie (Genom-Editierung) und Computerwissenschaften (künstliche Intelligenz) geben Hoffnung für die Forschung.

Gleichzeitig steigt der Aufwand den man für neue Entdeckungen betreiben muss immens an. Die finanziellen Mittel (siehe unten) und auch die Anzahl der an Publikationen beteiligten Wissenschaftlern stiegen in den letzten Jahrzehnten deutlich an. Als Ernest Rutherford 1911 das Atommodell entwickelte stand nur ein einziger Author in seiner Publikation: Er selbst. Im 2012er Paper zum Higgs-Partikel waren bspw. schon über tausend Authoren gelistet.

Funding und Publikationen in den Naturwissenschaften
Funding und Publikationen in den Naturwissenschaften

 

Gibt es einfach nicht mehr so viel zu entdecken?

Woran liegt das? Haben wir schon alle “Low Hanging Fruits” in den Naturwissenschaften entdeckt? Gibt es einfach nicht mehr viel zu entdecken – sodass ein höherer finanzieller Aufwand, größere Teams, mehr Training und die neuste Technik für Entdeckungen unumgänglich geworden sind?

Oder sind vielleicht die Universitäten und andere Bildungsinstitutionen zu festgefahren in alten Mustern. Vielleicht fehlt ihnen ein Wachstumsmodell wie es die Wirtschaft hat. Hat jemand ein besseres Verständnis der Welt kann er ein Unternehmen gründen und überholt in der Regel die Konkurrenz. Selbst wenn es möglich wäre eine neue Art von Universität zu gründen, man könnte mit ihr nicht einfach die alteingesessenen Universitäten verdrängen. Selbst wenn sie einen deutlich besseren Ansatz hätte. Wenn neue, bessere Ideen alte, schlechtere Ideen nicht verdrängen können erzeugen wir dadurch Stillstand oder sogar Verschlechterung.

Gleichzeitig verändert sich das Klima in Universitäten und Unternehmen im Bezug auf Meinungsfreiheit und offene Forschung. Immer häufiger werden disruptive Meinungen und Forschungsergebnisse durch Aktivisten oder anders denkende Forscher unterdrückt. Das Ergebnis ist weniger offener Dialog. Und wie schon Karl Popper – der wichtigste Philosoph der Wissenschaft – sagte:

Das Wachstum von Wissen hängt ausschließlich von Meinungsverschiedenheiten ab.

 

Fazit

Optimismus und eine positive Vision der Zukunft sind der Hauptreiber von Forschung und technologischem Fortschritt. Und technologischer Fortschritt ist essentiell für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand. Aber genau zu der Zeit in der es immer schwieriger wird große Durchbrüche in der Forschung zu erzielen und unser Produktivitätswachstum stagniert, schwächen wir uns durch Pessimismus, Regulation und Unterdrückung freier Meinung und Forschung.

Wir müssen wieder zum bestimmten Optimismus zurück. Uns große Ziele setzen. Offene Diskussionen führen. Und den Mut haben Risiken einzugehen. Nur dann können wir die großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte – wie Klimawandel, Überbevölkerung, Krankheiten, politische Konflikte – überwinden.

 

Bist du Optimist oder Pessimist wenn es um unsere Zukunft geht? Siehst du die Probleme ähnlich oder bist du anderer Meinung? Ich freu mich auf eure Kommentare und Fragen!

 

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Vielen Dank für das Interesse und bis zum nächsten Artikel!

Entspannte Grüße

Dein Roland

 

 

2 Replies to “Von Optimismus zu Wohlstand”

  1. Moin Roland,

    ein sehr schöner Artikel. Ich würde mich als hoffnungslosen Optimisten bezeichnen.

    Meine Einstellung ist: In jeder Situation das Positive zu sehen. Denn so kommt man weiter.

    Nullsummen-Statusspiele finde ich gut. Leider ist das in unserer Gesellschaft sehr hoch angesehen: Dein Status. Zeig mir was du hast und ich zeig dir wer du bist. Dadurch trauen sich viele nicht Risiken einzugehen oder etwas außerhalb der norm zu unternehmen. Es könnte ja schiefgehen und wie stehen sie dann da?
    Aber das kannst du auch als Chance sehen für diejenigen die noch verrückt genug sind, ihren Ideen nachzugehen. Für die bedeutet das weniger Konkurrenz.

    Das Bildungssystem ist leider einfach nur veraltet. Es wird gelehrt was vor Jahren gelehrt wurde, nur mit neueren Zahlen und Daten. Nur leider ist eine Innovation in diesem Bereich, wie du schon sagtest, schwer.

    Viele Grüße

    Björn

    1. Moin Björn,

      vielen Dank! Das freut mich, dass du auch ein Optimist bist – denn davon brauchen wir aktuell wirklich mehr! 🙂

      Das sind genau die wichtigen Punkte: Die Kultur der Angst vor Fehlern ist wirklich extrem unproduktiv und lähmend.
      Wie soll man denn ohne Fehler zu machen etwas neues lernen?

      Ich glaube aber daran, dass Optimismus ansteckend ist. Wir müssen es also vorleben.

      Liebe Grüße

      Roland

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